Energie ist in der Hospitality längst mehr als ein Posten auf der Rechnung. Sie ist ein echter Profit Treiber. Denn was du nicht verbrauchst, musst du nicht einkaufen. Und genau hier setzen digitale Energiemanagement Systeme an: Sie machen sichtbar, was bisher im Verborgenen passiert, und helfen dir, Technik und Prozesse so zu steuern, dass Komfort und Kosten zusammenpassen. Stromfresser identifizieren, Heizung intelligent steuern, Wasserverbrauch tracken: Moderne Gebäudetechnik kann heute weit mehr als „an und aus“.
Warum sich Energiemanagement gerade jetzt doppelt lohnt
In Hotel und Gastro laufen viele Verbraucher nahezu durchgehend: Kühlung, Lüftung, Warmwasser, Spültechnik, Beleuchtung, IT. Dazu kommen Lastspitzen in Küche und Housekeeping und saisonale Schwankungen durch Belegung, Wetter und Events. Ohne gute Daten ist das Energiesparen oft ein Ratespiel. Mit digitalen Systemen wird es planbar.
Die größten Hebel ohne Baustelle
1. Stromfresser finden, ohne überall Kabel zu ziehen
Viele Betriebe starten mit Submetering light: zusätzlichen Messpunkten dort, wo der Verbrauch besonders hoch oder besonders unklar ist.
Typische Messpunkte:
• Küche und Spülküche
• Kälteanlagen und Kühlzellen
• Wäscherei
• Wellness und Sauna
• Lüftungsanlagen
• Serverraum und IT
• E Ladepunkte
Schon wenige Messpunkte reichen oft, um die großen Aha Momente zu liefern: Warum läuft die Lüftung nachts durch? Warum zieht die Kühlung am Wochenende mehr als unter der Woche? Warum steigt die Grundlast im Sommer, obwohl weniger los ist?
2. Lastspitzen senken, damit der Strom nicht zum Luxusgut wird
Lastspitzen entstehen, wenn viele leistungsstarke Verbraucher gleichzeitig anspringen, zum Beispiel Kombidämpfer, Spülmaschine, E Boiler, Kühlung, Waschmaschinen. Digitale Systeme können Verbraucher priorisieren und zeitlich staffeln.
Praktische Beispiele:
• Spülmaschine startet nicht exakt dann, wenn der Kombidämpfer hochfährt
• Boiler heizt bevorzugt außerhalb der Peak Zeiten
• Wäscherei läuft in Zeitfenstern mit geringer Gesamtlast
Das spart nicht nur Energie, sondern kann auch Leistungspreise und Netzentgelte drücken, je nach Tarifstruktur.
3. Heizung, Klima und Lüftung nach Bedarf steuern statt nach Bauchgefühl
Hier steckt in vielen Häusern richtig viel Potenzial, weil Komfort oft mit dauerhaft hohen Sollwerten verwechselt wird.
Smarte Ansätze:
• Zeitprogramme, die wirklich zum Betrieb passen, statt historisch gewachsener Standardpläne
• Belegungsbasierte Steuerung, zum Beispiel über Schnittstellen zur Zimmerbelegung oder über Präsenzsensoren
• Fensterkontakte im Zimmer: Heizen runter, sobald gelüftet wird
• Zonensteuerung: Flure, Nebenräume und Lager nicht auf dem gleichen Niveau wie Gästebereiche
Wichtig: Gute Systeme arbeiten mit sanften Anpassungen. Du willst keine Temperatur- Achterbahn, sondern stabile Komfortwerte mit weniger Energieeinsatz.
4. Kälte und Küche effizienter fahren
Kälte ist oft ein Dauerläufer und gleichzeitig ein Bereich, in dem kleine Defekte schnell teuer werden.
Digitale Helfer:
• Temperatur und Laufzeiten überwachen, inklusive Alarm bei Abweichungen
• Abtauzyklen und Sollwerte optimieren
• Türöffnungen sichtbar machen, zum Beispiel über einfache Sensorik
• Wartung planbar machen, statt erst zu reagieren, wenn Ware leidet
In der Küche helfen Messdaten außerdem bei Prozessfragen: Welche Geräte laufen eigentlich im Standby? Wo macht Vorheizen Sinn, wo ist es Gewohnheit?
5. Warmwasser gezielt erzeugen, statt permanent zu bevorraten
Warmwasser ist ein Klassiker, der in Hotels schnell zum Kostentreiber wird, besonders mit Spa, hoher Auslastung oder Wäscherei.
Quick Wins:
• Zirkulationszeiten prüfen und anpassen
• Solltemperaturen sinnvoll einstellen, hygienisch sicher und nicht unnötig hoch
• Warmwasserprofile nach Tageszeit steuern, statt dauerhaft Vollgas
• Verbräuche mit Belegung abgleichen: Wenn wenig los ist, darf die Anlage das auch merken
6. Wasserverbrauch tracken und Lecks früh erkennen
Wasser ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein Nachhaltigkeitsthema, das Gäste zunehmend wahrnehmen. Digitale Wasserzähler oder Sensoren erkennen Muster und Ausreißer.
Typische Leck Hinweise:
• Nachtverbrauch steigt, obwohl alles ruhig ist
• einzelne Bereiche zeigen dauerhaft erhöhten Durchfluss
• plötzliches Grundrauschen im System nach Reinigungsarbeiten oder Umbauten
Ein Leck, das Wochen unbemerkt läuft, kostet schnell mehr als ein Sensor.
So startest du schlau in 5 Schritten
- Ziel definieren: Willst du primär Strom sparen, Spitzen senken, Wärme optimieren oder Wasserverluste stoppen?
- Baseline schaffen: Zwei bis vier Wochen Daten sammeln, damit du Vergleichswerte hast.
- Top 3 Verbraucher auswählen: Dort messen und steuern, wo der Effekt am größten ist.
- Regeln festlegen: Wer bekommt Alarme? Wer entscheidet Sollwerte? Wer prüft wöchentlich die Reports?
- Quick Wins umsetzen und nachhalten: Erst optimieren, dann erweitern. Nicht andersrum.
Smartes Energiemanagement ist kein Technik Spielzeug, sondern ein handfester Hebel für eure Marge. Wenn du transparent misst, gezielt steuerst und die Verantwortung im Team klar regelst, sind Einsparungen oft schneller drin, als viele denken. Gerade in Betrieben, die bisher wenig Daten genutzt haben.
Weitere Infos:
• BAFA Förderung und Energieberatung: https://www.bafa.de/
• Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: https://www.bmwk.de/
Auch interessant: Kennzahlen Check: Welche Zahlen du in Hotellerie und Gastronomie kennen musst







